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Die Eigenliebe

Geschrieben von Samael Aun Weor

  

Man spricht viel über die weibliche Eitelkeit. In der Tat, die Eitelkeit ist die lebendige Manifestation der Eigenliebe.

Die Frau vor dem Spiegel ist ein wahrer Narzisst, sie verehrt sich selbst, liebt sich abgöttisch in ihrem Wahn. Die Frau schmückt sich so gut sie nur kann, sie schminkt sich, sie frisiert sich das Haar mit dem einzigen Ziel, die anderen sagen zu hören: Du bist hübsch, du bist schön, du bist göttlich usw.
Das Ich genießt es, wenn die Leute es bewundern, das Ich schmückt sich, damit die anderen es verehren. Das Ich hält sich für schön, rein, erhaben, heilig, tugendhaft usw. Keiner hält sich für schlecht, alle Menschen betrachten sich selbst als gut und gerecht.
Die Eigenliebe ist etwas Schreckliches. Zum Beispiel akzeptieren die Fanatiker des Materialismus aus Eigenliebe die höheren Dimensionen des Raumes nicht. Sie lieben sich selbst sehr und fordern, wie es natürlich ist, dass die höheren Dimensionen des Raumes, des Kosmos und allen sensiblen Lebens sich ihren persönlichen Launen unterwerfen. Sie sind nicht fähig, jenseits ihrer engen Kriterien und ihrer Theorien zu gelangen, jenseits ihres geliebten Egos und ihrer mentalen Vorschriften.
Der Tod löst das fatale Problem des Egos nicht. Nur der Tod des Ichs kann das Problem des menschlichen Schmerzes lösen, aber das Ich liebt sich selbst und will auf keinen Fall sterben. Während das Ich existiert, wird sich das Rad des Samsara drehen, das fatale Rad der menschlichen Tragödie. Wenn wir wirklich verliebt sind, verzichten wir auf das Ich. Sehr selten im Leben begegnet man einem wirklich Verliebten. Alle begehren leidenschaftlich, das ist jedoch nicht Liebe. Wenn sie jemanden treffen, der ihnen gefällt, entbrennen sie in heftiger Leidenschaft, aber wenn sie in der anderen Person ihre eigenen Fehler, Qualitäten, Defekte entdecken, dann dient das geliebte Wesen ihnen als Spiegel, in dem sie sich ganz und gar selbst betrachten können. In Wirklichkeit sind sie nicht verliebt in das geliebte Wesen, sie sind nur verliebt in sich selbst und genießen es, sich im Spiegel, der das geliebte Wesen ist, zu sehen, so begegnen sie sich und nehmen dann an, verliebt zu sein. Das Ich genießt es, vor dem kristallenen Spiegel zu stehen und fühlt sich glücklich, sich selbst in der Person zu bewundern, die die gleichen Qualitäten, Tugenden und Defekte hat.
Viel sprechen die Prediger über die Wahrheit, aber ist es etwa möglich, die Wahrheit zu kennen, wenn es in uns Eigenliebe gibt?
Nur, wenn wir aufhören mit der Eigenliebe, nur mit einem Verstand frei von Annahmen, können wir in Abwesenheit des Ichs erfahren, was die Wahrheit ist.
Viele werden dieses Werk der Revolution der Dialektik kritisieren. Wie immer werden die Pseudo-Weisen über diese revolutionären Gedanken lachen, weil diese Lehren nicht mit den „mentalen Vermutungen“ und komplizierten Theorien, die sie in ihrem Gedächtnis haben, übereinstimmen.
Die Gelehrten sind nicht fähig, die revolutionäre Psychologie mit spontanem Verstand zu hören, frei von mentalen Vermutungen Theorien, Vorstellungen usw. Sie sind nicht fähig, sich dem Neuen mit integralem Verstand zu öffnen, mit einem Verstand, der nicht im Kampf der Antithesen geteilt ist.
Die Gelehrten hören nur, um mit ihren in der Erinnerung gespeicherten Annahmen zu vergleichen. Die Gelehrten hören nur, um alles in ihre Sprache von Vorurteilen und Konzepten zu übersetzen und zu der Schlussfolgerung zu kommen, dass die Lehren der Revolution der Dialektik Fantasien sind. So sind die Gelehrten immer, ihr Verstand ist so degeneriert, dass sie nicht fähig sind, das Neue zu entdecken.
Das Ich will in seinem Hochmut, dass alles mit seinen Theorien und mentalen Annahmen übereinstimmt. Das Ich will, dass sich all seine Launen erfüllen, und dass der Kosmos in seiner Gesamtheit sich seinen Laborexperimenten unterwirft.
Das Ego verabscheut alle, die seine Eigenliebe verletzen. Das Ego verehrt seine Theorien und Vorurteile.
Viele Male verabscheuen wir jemanden ohne irgendeinen Grund. Warum? Einfach, weil dieser jemand einige Fehler verkörpert, die wir wohl versteckt in uns tragen und es uns nicht gefallen kann, dass der andere sie zur Schau trägt. In der Tat, die Fehler, die wir anderen anhängen, tragen wir tief in unserem Innern.
Niemand ist vollkommen in dieser Welt, wir sind alle aus dem gleichen Holz geschnitzt. Jeder von uns ist eine elende Schnecke im Schoße der großen Realität.
Wer nicht einen Fehler in einer bestimmten Richtung hat, hat ihn in einer anderen Richtung. Einige begehren kein Geld, aber sie begehren Ruhm, Ehre, Liebe usw. Andere betrügen nicht ihre Frauen, aber sie betrügen, indem sie Doktrinen fälschen, Glaubensbekenntnisse im Namen der universellen Bruderschaft vermischen.
Einige sind nicht eifersüchtig auf ihre eigene Frau, aber sie sind eifersüchtig auf Freundschaften, Glauben, Sekten, Dinge usw. So sind wir Menschen, alle aus dem gleichen Holz geschnitzt.
Es gibt kein menschliches Wesen, das sich nicht selbst verehrt. Wir haben von Menschen gehört, die es genießen, Stunde um Stunde über sich selbst zu sprechen, über ihre Wunder, ihr Talent, ihre Tugenden usw.
Das Ich liebt sich selbst so sehr, dass es sogar erreicht, das Glück des anderen zu beneiden. Die Frauen schmücken sich mit vielen Dingen, zum Teil aus Eitelkeit, zum Teil, um den Neid der anderen Frauen zu wecken. Jede beneidet jede. Alle sind neidisch auf das Kleid der anderen, auf die schöne Halskette. Alle verehren sich selbst und keine will sich den anderen unterlegen sehen, sie sind zu hundert Prozent Narzissten.
Einige Pseudo-Okkultisten oder Brüder vieler Sekten verehren sich selbst so sehr, dass sie es erreicht haben, sich für Brunnen von Bescheidenheit und Heiligkeit zu halten. Sie sind stolz auf ihre eigene Bescheidenheit. Sie sind schrecklich stolz.
Es gibt kein Pseudo-Okkultistisches Schwesterchen oder Brüderchen, das im Grunde nicht vorgibt, Heiligkeit, Glanz und spirituelle Schönheit zu besitzen.
Kein Pseudo-Okkultistisches Brüderchen oder Schwesterchen hält sich für schlecht oder pervers, alle halten sich für heilig und vollkommen, auch wenn sie in Wirklichkeit nicht nur schlecht, sondern darüber hinaus pervers sind.
Das geliebte Ego verehrt sich selbst allzu sehr und hält sich, auch wenn es das nicht sagt, für gut und vollkommen.